Die häufigsten Kaninchenkrankheiten 

Bei Hasen und Kaninchen können eine Vielzahl an Erkrankungen auftauchen, welche Ihren Besitzern Sorgen und Kummer bereiten können. Daher soll im weiteren Verlauf einmal auf die am häufigsten vorkommenden Erkrankungen eingegangen werden. Jedoch gilt: Trotz der Informationen die Sie hier erhalten, ist es immer ratsam bei einer Erkrankung einen Tierarzt aufzusuchen, um schlimmere Folgen für das Tier zu vermeiden. Auf keinen Fall sollten Sie dem Kaninchen eigenmächtig Medikamente verabreichen, da dies in aller Regel nur weitere Risiken birgt.

Kleines Kaninchen auf der Wiese

Miroslaw / pixelio.de

I Virusinfektionen

Myxomatose

Hierbei handelt es sich um eine der bekanntesten Erkrankungen bei Nagern. Schwierig hierbei ist die Tatsache, dass eine Behandlung nahezu ausgeschlossen ist und man als Tierbesitzer lediglich Präventionsmaßnahmen durchführen kann wie bspw. Schutzimpfungen, welche am besten in den Monaten März/ April und dann wieder im September/ Oktober durchgeführt werden. Ebenfalls zu beachten ist auch bei der erstmaligen Impfung die Durchführung einer Grundimmunisierung. Hierunter versteht man, dass nach dem ersten Impfen gegen Myxomatose nach etwa vier Wochen eine erneute Impfung erfolgen sollte, umso die Grundimmunisierung sicherzustellen.

Symptome:

  • Entstehung von Myxomen
  • Ausfluss, der aus den Augen hervortretet
  • Ebenso eine Entzündung der Augen, die von einer Schwellung begleitet wird

Für uns Menschen besteht durch das Virus keinerlei Gefahr. Jedoch ist es für das Kaninchen insofern eine große Gefahr, da es eine hohe Widerstandsfähigkeit besitzt und nach einer Infektion etwa 4-6 Monate im Hasenkäfig weiter existieren kann. Damit steigt die Gefahr einer erneuten Infektion bei neuen Tieren die angeschafft werden.

 

RHD („Chinaseuche“)

Bei RHD handelt es sich um eine Viruserkrankung, welche ähnliche Eigenschaften aufweist wie die Myxomatose. Die Behandlung gestaltet sich schwierig bis schier unmöglich. Wir empfehlen auch hier ausgiebige Präventionsmaßnahmen einzuleiten. Übertragen wird die Krankheit durch Parasiten oder auch mit dem Virus befallenes Futter.

Symptome:

  • beschleunigte Atmung
  • mangelnder Fresstrieb
  • Apathie
  • abweichendes Verhalten
  • plötzlicher Tod ohne Symptome als Vorwarnung

Auch dieses Virus zeichnet sich durch eine extreme Widerstandsfähigkeit aus, welches ihm erlaubt bei kühlen Temperaturen zwischen 3° und 6° bis zu 200 Tage infektionsfähig zu sein. Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich. Wir empfehlen bei der Präventionsimpfung gegen RHD, diese mit der Myxomatoseimpfung zu kombinieren.

 

II Protozoen- Infektionen

Kokzidiose

Hierbei handelt es sich um Parasiten, welche im Darmkanal des Kaninchens leben und von dort aus lebenswichtige Organe befallen, wie etwa die Leber oder die Gallengänge. Ein Befall durch diesen Parasiten führt in den meisten Fällen zum Tod des Tieres. Grund für die Erkrankung durch Kokzidiose ist oft eine mangelnde Hygiene. Daher ist es wichtig, nach einem Befall sich um eine gründliche Reinigung des Hasenkäfigs zu bemühen. Aufgrund der starken Widerstandfähigkeit der Kokzidien, ist hier eine Reinigung mit heißem Wasser notwendig, welches eine Temperatur von rund 80° aufweisen sollte. Wir empfehlen vor der Einführung und Vergesellschaftung neuer Tiere diese auf einen Befall zu untersuchen, indem man den Kot der durch einen Tierarzt prüfen lässt.

Symptome:

  • Aufgeblähter Bauch
  • mangelnder Fresstrieb
  • mangelnder Durst
  • Durchfall
  • Schwächung des Immunsystems und somit Folgeerkrankungen

 

Enzephalitozoonose

Wie üblich, leitet sich der Name dieser Erkrankung von Ihrem Erreger ab, dem Encephalitozoon cuniculi. Dabei handelt es sich um einen einzelligen Parasiten, welcher sich über den ausgeschiedenen Urin infizierter Tiere überträgt.

Symptome:

  • Koordinationsstörungen
  • ungewöhnliche Ausfallbewegungen
  • Verschiebung der Position des Kopfes
  • verschlechterte Nierenwerte
  • Lähmungen

Diagnostizieren lässt sich die Erkrankung am besten über eine Ermittlung der Blutwerte und Antikörper. Der Erreger verursacht Schäden im zentralen Nervensystem der Tiere, wodurch eine vollständige Heilung und Beseitigung der Symptome nur schwer möglich ist. Eine zeitnahe Behandlung nach Auftreten  der ersten Auffälligkeiten ist hier ratsam. Jedoch muss bedacht werden, dass das Kaninchen, welches einmal infiziert wurde, stets ein Träger dieses Erregers bleiben wird, trotz Behandlung. Ein Auslassen der Behandlung führt zum Tod des Tieres. Für Menschen ist auch dieser Erreger ungefährlich.

Weißer Hase der auf Steinen sitzt

Sebastian Behm / pixelio.de

III Ernährungsbedingte Zahnprobleme

Die Zähne eines Kaninchens befinden sich stets im Wachstum. Dadurch ist es notwendig den Tieren eine Ernährung zuzuführen, welche ein Abnutzen der Zähne gewährleistet. Zu diesem Zweck eignen sich Gräser, Knabberzweige oder auch Heu. Vermeiden sollte man hier Trockenfutter und Brot, da dieses durch den Speichel angefeuchtet und damit weich wird, wodurch keine Abnutzung der Zähne mehr gewährleistet ist. Werden die Zähne nicht ausreichend abgenutzt, dann bilden sich Zahnspitzen, welche Schäden im Mundraum des Kaninchens verursachen können. In dem Fall ist ein Besuch beim Tierarzt dringend ratsam.

 

IV Bakterielle Infektionen

Pasteurellose

Die Pasteurella multocida Bakterien verursachen beim Kaninchen schnupfenähnliche Symptome. In der Regel tritt diese Erkrankung dann auf, wenn bestimmte äußere Umstände zusammengeführt werden, welche eine Schwächung des Immunsystems verursachen. Dies kann bspw. Stress, Zugluft oder eine hohe Bestandsdichte sein. Dabei  befindet sich der Erreger hauptsächlich in der Nasenschleimhaut und kann mithilfe einer sogenannten Nasentupferprobe im Labor nachgewiesen werden.

Symptome:

  • Blockierung der Nasenöffnungen durch Verkrustungen
  • Erschwerte Atmung
  • Niesen
  • Nasenausfluss

Für den Menschen besteht bei dieser Form der Erkrankung keine Gefahr, beim Kaninchen führt sie jedoch ohne Behandlung zum Tod, wodurch auch hier bei den ersten Anzeichen von Symptomen ein Besuch beim Tierarzt dringend ratsam ist, da es für die Besitzer nur schwer zu unterscheiden ist, ob es sich um eine Pasteurellose oder einen gewöhnlichen Schnupfen handelt.

 

V Krankheiten des Verdauungstraktes

Gewöhnliche Erkrankungen des Verdauungstrakts, wie etwa Durchfall, können in der Regel durch eine Umstellung der Ernährung beseitigt werden. Hier empfiehlt es sich eine Diätkur einzulegen, bestehend aus Heu und Wasser.

Darüber hinaus können die Ausscheidungen jedoch auch Symptome ernst zu nehmender Erkrankungen sein. Bei auffallend geruchsintensivem Kot kann es sein, dass der Verdauungstrakt ernsthafte Schäden erlitten hat und ein Besuch beim Tierarzt notwendig wird. Häufig hilft hier eine dauerhafte Umstellung der Ernährung der Tiere. Hierbei sollte dann explizit auf getreidehaltiges Trockenfutter verzichtet werden, da dieses aufgrund des Getreides die Entstehung von Durchfall begünstigt. Auch Blähungen sollten bei Kaninchen nicht unterschätzt werden, da diese zu starken Schmerzen führen und daher umgehend von einem Tierarzt behandelt werden müssen. Zwei möglicherweise tödlich verlaufende Krankheiten bei Ausbleiben der Behandlung werden im Folgenden beschrieben:

 

Trommelsucht

Wird verursacht durch die Aufnahme von getreidehaltigem Trockenfutter oder feuchten und erhitztem Grünfutter.

Symptome:

  • Erschwerte Atmung
  • Aufgeblähter Bauch
  • Vorwölbung in den Brustraum

Die Tiere sollten bei Auftreten der Symptome keiner unnötigen Wärme ausgesetzt werden, umso das Voranschreiten des Gärprozesses im Verdauungstrakt zu verhindern.

Stroh vor blauem Himmel

RainerSturm / pixelio.de

Haarballenbildung

Hierbei handelt es sich um eine Magenverstopfung, welche durch die Bildung von Ballen aufgrund faserreicher Stoffe, wie etwa Haare oder Trockengrasstängel, verursacht wird.

Symptome:

  • Verlust an Körpergewicht
  • anhaltende Unruhe
  • Apathie
  • mangelnder Fresstrieb
  • verminderter bis kein Kotabsatz

In extremen Fällen kann hier sogar ein operativer Eingriff durch den Tierarzt notwendig sein. Um bei dieser Erkrankung präventiv vorzugehen, empfehlen wir in Zeiten des Fellwechsels den natürlichen Abgang der Haare mit einer entsprechenden Ernährung zu unterstützen. Ein Geheimtipp ist hier die Zuführung des Wirkstoffes Bromelin, welcher in Ananas der Kiwis enthalten ist. Grundsätzlich gilt auch, dass je länger das Fell des Kaninchens ist, desto mehr Sinn macht es öfter mal das Tier zu kämmen.

 

Fazit

Zusammenfassend lassen sich folgende Punkte aufzählen, um ihren Tieren ein gesundes und glückliches Leben zu ermöglichen:

  • artgerechte Ernährung
  • Frischfutter und viel Heu
  • ausreichend Auslauf und Haltung lediglich mit Partnertieren
  • regelmäßige Besuche beim Tierarzt und regelmä0ßiges Impfen
  • stets auf eine ausreichende Hygiene achten